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1. März 1994
Der Spiegel
Kultur
Flicus Flacus
Walt Disneys Zeichner Carl Barks, der Erfinder der Ducks, wird in Hannover mit einer Werkschau geehrt.
Das Wilhelm Busch Museum in Hannover zeigt ab Sonntag eine umfassende Retrospektive des “Größten Comic-Zeichners des Jahrhunderts" (FAZ). Exakt 164 Exponate, überwiegend aus deutschen Sammlungen, wurden jetzt für die Ausstellung in Hannover zusammengetragen, Organisator ist der Maler Gottfried Helnwein. Barks' Geflügel-Saga, behauptet er, sei ein "viel besserer Spiegel der menschlichen Seele" als die Mona Lisa oder die “Fleischberge an der Decke der Sixtinischen Kapelle".
Die Botschaft kam per Fax und aus so nebliger Ferne, wie dies Botschaften in Comics gelegentlich tun irgendwo aus den Bergen im US Staat Oregon: Der deutsche Kaufhauserpresser "Dagobert" mißbrauche den Namen des Oberkapitalisten aus Entenhausen; als gemeiner Verbrecher habe er sich gefälligst nach Schurken wie Klaas Klever oder den Panzerknackern zu benennen. Absender: Carl Barks, 92. Erfinder des echten Dagobert Duck.
Der komische Alte lebt seit Jahren zurückgezogen auf seiner Farm in den Rocky Mountains. und die Adresse wird von Freunden gehütet, als wäre dort Onkel Dagoberts Vermögen verbuddelt. Mit dem Telebrief an seinen deutschen Verleger meldet sich Barks erstmals wieder in der Öffentlichkeit. Dabei geht es allerdings weniger um die Ehrenrettung des Duck Clans, sondern in Dagobert Manier um Promotion in eigener Sache.
Das Wilhelm Busch Museum in Hannover zeigt ab Sonntag eine umfassende Retrospektive des “Größten ComicZeichners des Jahrhunderts" (FAZ).
Sein Traumberuf, verrät Carl Barks seinen deutschen Biographen, war eigentlich Erfinder. Also erfand er das Tüftlergenie Daniel Düsentrieb. Die Tagträume seiner Hollywoodjahre kreisten um Amerikas Superreiche. Also erfand er den Geldsack Dagobert und, um ihn zu ärgern, die Panzerknacker AG. Barks' Alptraum waren miese Jobs und ewige Geldsorgen. Also entwickelte er die 1934 in der Disney Trickfilmabteilung geborene Ente Donald zum Charakter des ewigen Loosers.
Walt Disney wurde 1935 auf Barks' Talent aufmerksam, als der in seinen Studios Fließbandarbeit leistete. Den kompletten Duck Clan entwarf der Zeichner freiberuflich, zwischen 1943 und 1948, nachdem er mit einer alternativen Existenz als Hühnerzüchter gescheitert war. Zwei Dutzend Jahre lang scheuchte er die Entenfamilie durch einen Kosmos von Komödien und Abenteuern. Er tauchte mit ihr unters arktische Eis, schoß sie zu fernen Sternen und führte sie ins HimaIaja Paradies “Tralla La". Viele Anregungen fand er in der Zeitschrift Natitional Geographic. Er selbst ist zeitlebens kaum über Oregon und Kalifornien hinausgekommen.
Barks arrangierte Spionagethriller für seine gefiederten Helden, Rühreiüberschwemmungen und die ewige Romanze zwischen Donald und Daisy, der Doris Dav von Entenhausen. Sogar einen Kuß, einen einzigen, gönnte er dem Verlierer Donald. Der despotische Disney verlangte allerdings, daß weiblichen Enten grundsätzlich der Busen entfernt werden müsse Barks fügte sich dem von ihm als "Genie" verehrten Auftraggeber und radierte.
Sämtliche Barks-Figuren gehören bis heute der Walt Disney Company. Mehr als 500 Donald Duck Geschichten hat der “Comic Book King" (Disneys Neffe Roy) gezeichnet, und nie durfte er seinen Namen daruntersetzen. als Honorar erhielt er anfangs 12,50 Dollar pro Heftseite.
Erst seit 1982 erschien in den USA ein Nachdruck des Gesamtwerks unter dem Titel "Carl Barks Library", das ihn berühmt machte. Seitdem ist er als Schöpfer des Entenhausen-Opus anerkannt und verdient auch ordentlich an seinen Arbeiten. Barks-Originale werden auf dem Trivialkunst-Markt zu Traumpreisen gehandelt.
Klassiker wie "Donald Duck finds Pirate Gold". in Millionenauflage gedruckt, kosten heute bis zu 3500 Dollar. Für die 90 durch Zufall erhalten gebliebenen Originalseiten von Meisters Hand bieten Sammler 15 000 Dollar das Stück. Enten in Öl kommen bei Sotheby’s für 200 000 Dollar unter den Hammer. Und Barks, der einst auch als Illustrator erotischer Männermagazine tätig war, macht ein zusätzliches Geschäft, indem er die Titelbilder der alten Hefte auf Leinwand nachmalt.
Exakt 164 Exponate, überwiegend aus deutschen Sammlungen, wurden jetzt für die Ausstellung in Hannover zusammengetragen, Organisator ist der Maler Gottfried Helnwein. Barks' Geflügel-Saga, behauptet er, sei ein "viel besserer Spiegel der menschlichen Seele" als die Mona Lisa oder die “Fleischberge an der Decke der Sixtinischen Kapelle".
Denn in jedem von uns steckt ein erbärmlicher Erpel, was Barks' Geschöpf “Justizrat Wendig" mit einem geflügelien Satz unterstreicht: “’Flicus Flacus Fumdideldacus’. Das ist Juristenlatein und heißt auf deutsch: ,Wie wollen Sie das Gegenteil beweisen?’”
Carl Barks
Widmung von Carl Barks
1985
Hlnwein and Carl Barks
1992




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