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1. März 2005
Schädelspalter
Katja Eggers
Verratene Unschuld
Seit den frühen 70ern spielt das Kind eine Hauptrolle in Helnweins Kunst. Von Idyllischer und unberührter Jugend jedoch keine Spur. Im Gegenteil: Helnweins Kinder sind verletzt und verunstaltet, von geschwürartigen Narben entstellt, unmenschlichen Gewaltakten ausgesetzt, von brutalen Zwingen und Spangen gefoltert, mit bandagierten Köpfen und Schläuchen in der Nase, entblösst und gedemütigt. In manchen Werken ist die Gewalt verdeckt, andere sind rundheraus brutal. “Ich sehe die Welt am liebsten durch die Augen eines Kindes. Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen”
Gottfried Helnwein wird entweder gehasst oder geliebt. Im Wilhelm-Busch-Museum schockt der Österreicher mit Bildern von geschundenen Kindern. Die meisten Arbeiten sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

“Ich habe immer Leute gehabt, die begeistert waren und ich habe immer Leute gehabt, die mich gehasst haben”, fasst Gottfried Helnwein die Reaktionen auf seine Kunst zusammen. Im Wilhelm-Busch-Museum schockt der Österreicher mit Bildern von geschundenen Kindern.

Seit den frühen 70ern spielt das Kind eine Hauptrolle in Helnweins Kunst. Von Idyllischer und unberührter Jugend jedoch keine Spur. Im Gegenteil: Helnweins Kinder sind verletzt und verunstaltet, von geschwürartigen Narben entstellt, unmenschlichen Gewaltakten ausgesetzt, von brutalen Zwingen und Spangen gefoltert, mit bandagierten Köpfen und Schläuchen in der Nase, entblösst und gedemütigt. In manchen Werken ist die Gewalt verdeckt, andere sind rundheraus brutal.

“Ich sehe die Welt am liebsten durch die Augen eines Kindes. Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen”, sagt der in Irland lebende Künstler, der mit seinen Arbeiten gegen jegliche Art von Kindesmisshandlung anmalt.
Das Kind, so Helnwein, symbolisiere in seinem Werk alle Opfer, es stehe für das christliche Thema der Leidensfähigkeit des Menschen. Sowohl im alltäglichen Szenen wie in historischen Bildern stellt der Österreicher das Kind als das eigentliche Opfer unsere Zeit dar. In Hyperrealistischen Aquarellfarben und mit penibler Detailtreue gestaltet sind Helnweins Kinderbildnisse Sinnbilder menschlicher Pein und erzählen von unendlichem Leid und Schmerz, von Unschuld und verratener Unschuld. Was auf den ersten Blick wie Fotografierte Wirklichkeit erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen häufig als gemalt.
Unter dem Titel “Beautiful Children” zeigt Helnwein im Wilhelm-Busch-Museum knapp 60 grossformatige Gemälde, Handzeichnungen und digitale Fotografien.
Darunter unter anderem das Gemälde einer Madonna mit Kind inmitten einer Regie von SS-Schergen, ein Bildnis eines kleinen, durch eine riesige Narbe entstellten Mädchens mit Comic-Heft unter dem Arm und ein grosformatiges Portrait des amerikanischen Rockmusikers Marilyn Manson mit Mickey-Mouse-Ohren. Die meisten der Bilder wurden bisher in Deutschland noch nie gezeigt.




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