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1. Januar 2004
Landesinstitut für Schule
GÖS-Arbeitsstelle
Werner Zahn, Judith Aring
Heft 8
Gewaltprävention in der Primarstufe
Wir gehen mit Gefühlen um
Um Empathie, eine Grundqualifikation für soziales Handeln – nämlich die Fähigkeit eines Menschen, sich in die Erwartungen eines anderen Menschen einzufühlen, diese zu verstehen und auf sie einzugehen– einzuüben, habe ich das Bild „Mein Freund“ von Gottfried Helnwein den Kindern gezeigt. Sie sollten das Bild eines trauernden, verzweifelten Mannes interpretieren, ihm verschiedene Gefühle zuordnen und Ursachen benennen, die zu seinem Gesichtsausdruck geführt haben könnten. Damit die Konfliktparteien sich den Streitschlichtern gegenüber öffnen und anvertrauen, sollten die Streitschlichter in der Lage sein, sich in eine Situation bzw. in eine Person „hineinzufühlen“.
3.2.3 Wir gehen mit Gefühlen um
Damit die Konfliktparteien sich den Streitschlichtern gegenüber öffnen und anvertrauen, sollten die Streitschlichter in der Lage sein, sich in eine Situation bzw. in eine Person „hineinzufühlen“.
Kann ein Streitschlichter den Schmerz und den Kummer der Konfliktparteien wahrnehmen, kann dieser auf die Bedürfnisse der Konfliktparteien eingehen, ggf. Trost spenden und Hilfe anbieten. Um Empathie, eine Grundqualifikation für soziales Handeln – nämlich die Fähigkeit eines Menschen, sich in die Erwartungen eines anderen Menschen einzufühlen, diese zu verstehen und auf sie einzugehen– einzuüben, habe ich das Bild „Mein Freund“ von Gottfried Helnwein den Kindern gezeigt. Sie sollten das Bild eines trauernden, verzweifelten Mannes interpretieren, ihm verschiedene Gefühle zuordnen und Ursachen benennen, die zu seinem Gesichtsausdruck geführt haben könnten.
Die Kinder waren in der Lage, sich in den Mann hineinzuversetzen. Sie konnten sehr gut seinen Gesichtsausdruck deuten und beschreiben, was dem Mann wiederfahren sein könnte.
Anschließend haben wir eine Scharade zum Thema „Gefühle“ gespielt. Die Kinder sollten verschiedene Gefühle pantom misch darstellen und erraten, um welches Gefühl es sich jeweils dabei handelte. Ich war sehr erstaunt, dass die Kinder keine Schwierigkeiten hatten, im Ausdruck ähnliche Gefühle zu differenzieren. So war für sie z.B. der Unterschied zwischen Trauer, Angst und Verzweiflung ohne Schwierigkeiten darzustellen und zu erkennen. Für einen kurzen Augenblick hatte ich den Eindruck, es mit „Gefühlsexperten“ zu tun zu haben, die alle Gefühle kannten, benennen und erkennen konnten. Umso überraschter war ich, dass ich die Kinder mit einer alltäglich gestellten Frage in Verlegenheit bringen konnte:
„Wie geht es dir?“ Ihnen war klar, dass ich mich mit der Aussage „gut“ nicht zufrieden geben würde. Einige von ihnen mussten lange überlegen, um ihr momentanes Gefühl in Worte fassen zu können. Andere waren dazu nicht in der Lage oder wollten sich nicht äußern.
Aus der Sprachlosigkeit mancher Kinder bezüglich ihrer eigenen Gefühle schloss ich, dass sie die Verbalisierung eigener Gefühle nicht gewohnt waren. Sie schienen die unterschiedlichen Gefühle bereits selbst gefühlt zu haben – sonst hätten sie diese bei der Scharade und dem Bild nicht benennen können –, aber keinen Zugriff zu den eigenen Gefühlen zu haben.
In den folgenden Unterrichtseinheiten stellte ich mehr Bezug zu den eigenen Gefühlen der Streitschlichter her. Sie sollten lernen, auf ihre Gefühle zurückgreifen zu können, um u.a. besser auf die Gefühle der Konfliktparteien eingehen zu können. Dabei zeigte sich, dass die Kinder zunehmend ihre Gefühle benennen konnten und dass auch die Bereitschaft dazu stieg. Sie beschrieben z.B. zu Beginn jeder folgenden Streitschlichter-AG wie es ihnen ging und konnten das in einen konkreten Zusammenhang bringen.
Landesinstitut für Schule
GÖS-Arbeitsstelle
Heft 8
Gewaltprävention
in der Primarstufe
Herausgeber:
Landesinstitut für Schule
Redaktionelle Bearbeitung:
Werner Zahn
zahn@schulinfos.de
Judith Aring
aring@schulinfos.de
Was bietet die Materialreihe?
In diesem Heft beschreiben wir Erfahrungen und die Vorgehensweisen von Schulen bei der
Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Schule (GÖS). Mit Hilfe einiger ausgewählter
Beispiele aus dem Initiativprogramm 2000/01 wollen wir einen Einblick in die Bandbreite und die
Akzente praktischer Ansätze vermitteln. Die Darstellung beruht auf Berichten geförderter GÖS-
Projekte; sie fasst Eindrücke aus der Beratung vor Ort und dem landesweiten Erfahrungsaus-
tausch zwischen den beteiligten Schulen zusammen.
In der Reihe „Erfahrungen zur Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Schule“ erscheinen
Materialien zu den Themenbereichen:

Beruf und Arbeitswelt

Gemeinwesen und soziale Verantwortung

Innovative Ganztagsangebote

Interkulturelle Verständigung

Kultur

Umwelt und Entwicklung
Nähere Informationen zum Rahmenkonzept „Gestaltung des Schullebens und Öffnung von
Schule“ erhalten Sie von der GÖS-Arbeitsstelle im LfS, unsere Kontaktadresse und Ansprech-
partner finden Sie im Anhang. Außerdem gibt es Informationen im Internet unter:
www.learn-line.nrw/angebote/goes und www.schulinfos.de
1. Auflage im Mai 2002
Nachdruck nur mit Genehmigung
des Landesinstituts für Schule
Paradieser Weg 64, 59494 Soest Tel.: 02921-683329
Inhaltsverzeichnis
Seite
Schulentwicklung und Kooperation
4
Schulbeispiele
8
Streitschlichtung an KGS Bracheln
9
1.
Einleitung
2.
Handlungsbedarf
10
3.
Entwicklung und Durchführung des Programms
11
3.1 Vorbereitung
3.2 Ausbildung der Streitschlichter
11
3.3 Streitschlichter im Einsatz
4.
Evaluation
19
5.
Zusammenfassung und Ausblick
22
6.
Anhang
7.
Anmerkungen
25
Netzwerk Gewaltprävention Detmold
26
1.
Einleitung
2.
Projektidee
27
3.
Didaktische Überlegungen
27
4.
Methodische Überlegungen
28
5.
Durchführung des Projektes
29
5.1 Bachschule
29
5.2 GS Heidenoldendorf
31
5.3 GS Jerxen-Orbke
33
5.4 Gustav-Heinemann-Schule
34
6.
Fazit und Abschlussbetrachtungen
35
GÖS-Beratungsangebot
37
Wirkung von GÖS auf Schülerinnen und Schüler
38
Online-Informationen
Praxismaterialien zu GÖS
Schulentwicklung und Kooperation – Bedingungen für eine erfolgreiche
schulische Gewaltprävention
Was meint "Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Schule" (GÖS)?
In den letzten Jahren haben Schulen aller Schul-
formen vielfältige Ansätze entwickelt, um Frei-
räume für eine intensivere Gestaltung des Unter-
richts und Schullebens zu suchen und zu nutzen.
Dabei wurde die Öffnung von Schule zum Um-
feld als Chance verstanden, schulisches Lernen
stärker auf die Lebenswelt der Kinder und Ju-
gendlichen zu beziehen. Durch die Veränderun-
gen in der Lebenssituation von Schülerinnen und
Schülern, in der Berufs- und Arbeitswelt, in den
Medien und in der Umwelt sehen sich Schulen
zunehmend herausgefordert, ihre Bildungs- und
Erziehungspraxis zu reflektieren und zu verän-
dern. Das Rahmenkonzept “Gestaltung des
Schullebens und Öffnung von Schule“, das 1988
vom damaligen Kultusministerium herausgege-
ben wurde, greift die vielen Initiativen von Lehr-
kräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern und
von außerschulischen Partnern auf. Es wird auch
in der aktuellen Diskussion über Wege zur Quali-
tätsverbesserung schulischer Bildung und Erzie-
hung als pädagogische Plattform für die Schul-
programmentwicklung genutzt. Die Themenbe-
reiche sind Beruf- und Arbeitswelt, Gemeinwe-
sen und soziale Verantwortung, Interkulturelles
Lernen und Internationalisierung, innovative
Ganztagsangebote, Kultur und Umwelt und Ent-
wicklung.
Gemeinwesen und soziale Verantwortung
Ziele
In diesem Bereich sollen GÖS-Vorhaben Schüle-
rinnen und Schüler in die Lage versetzen, sich
• an der Gestaltung von Unterricht und Schulle-
ben aktiv zu beteiligen und dabei zu lernen, für
sich und für andere Verantwortung zu überneh-
men
• mit Aufgaben, Bereichen und Institutionen in
der Gemeinde / im Schulumfeld praktisch aus-
einander zu setzen, um deren Funktionen und
Möglichkeiten zum eigenen und gemeinsamen
Engagement "vor Ort" zu erkennen und zu nut-
zen
• durch ihr Engagement in Schule und Gemein-
wesen mit ihren individuellen, gemeinsamen und
unterschiedlichen Werten, Interessen und Vor-
stellungen auseinander zu setzen, diese mitein-
ander in Beziehung zu bringen und Möglichkei-
ten gemeinsamen Entscheidens und Handelns
ausfindig zu machen.
Des Weiteren sollen die Menschen in Einrichtun-
gen des Gemeinwesens ihre Verantwortung für
die Kinder und Jugendlichen wahrnehmen und
trotz (oder gerade wegen) zunehmender Belas-
tungen Chancen und Möglichkeiten einer besse-
ren Zusammenarbeit nutzen. Hierbei sind nicht
nur kommunale Verwaltungs- und Dienstleis-
tungsinstitutionen, sondern auch etwa private,
religiöse oder kulturelle Vereinigungen aufgeru-
fen, Kinder und Jugendliche an der Entwicklung
des Gemeinwesens aktiv mitwirken zu lassen.
Gefördert werden sollen auch innovative Formen
des Engagements von Eltern in der Schule.




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