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10. Juni 2001
opernfreund.com
Strawinskys “The Rake's Progress”
Pfemiere 10. 6.
Strawinskys “The Rake´s Progress” hat am 10.06. unter Flimm /Helnwein/ Metzmacher Premiere » Flimm hat gemeinsam mit Helnwein, der auch die witzigen, farcenhaft übersteigerten Kostüme entworfen hat, am Bühnenbild gefeilt. «Die kleine Bühne macht die Figuren sehr stark. Und passend zu dem plakativen Stück hat Helnwein großformatig Videos und Dias mit Großstadtszenen und verzerrten Gesichtern in den Raum projiziert.»
08.06.01 PREMIERE Hamburg
Strawinskys “The Rake´s Progress” hat am 10.06.
unter Flimm / Metzmacher Premiere
Hamburg (dpa) - Der eine ist ein kampferprobter Bühnen-Profi, der andere macht sich stark für die Musik des 20. Jahrhunderts, der Dritte im Bunde hat mit seinen hyperrealistischen, plakativen Werken Furore gemacht. Der renommierte Regisseur Jürgen Flimm, der Dirigent und künstlerische Leiter der Hamburgischen Staatsoper Ingo Metzmacher und der österreichische Künstler und Bühnenbildner Gottfried Helnwein bringen jetzt gemeinsam Igor Strawinskys Oper «The Rake's Progress» (Der Abstieg eines Wüstlings) auf die Bühne. Die mit Spannung erwartete Produktion des Könner-Teams hat am Sonntag (10. Juni) in der Hansestadt Premiere.
Vor genau 50 Jahren hatte die einzige abendfüllende Oper des russischen Komponisten (1882-1971) in Venedig ihre Uraufführung. Als Vorlage diente Strawinsky und seinen beiden Librettisten Wystan Hugh Auden und Chester Kallman die achtteilige Kupferstichserie des englischen Zeichners William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Dessen Bilder warnten sozialkritisch vor dem ausschweifenden Leben des Tunichtguts Tom Rakewell.
Strawinsky und Co. machten daraus ein englischsprachiges Werk voll schwarzen Humors, märchenhaft-irrwitziger Szenen und völlig ohne besserwisserisch erhobenen moralischen Zeigefinger. Sie stellten dem leichtsinnigen Rakewell den mephistofelischen Nick Shadow zur Seite, der ihn weglockt von der treuen Braut hin in die Verderbnis bringende Großstadt mit Bordell und bärtiger «Türken- Baba», bis Rakewell schließlich im Irrenhaus stirbt.
Strawinskys Oper hat in sich geschlossene Musiknummern wie Arien, Duette oder Chorsätze. Anspielungen und Zitate gibt es aus Barockoper, Mozart, Rossini aber auch Tschaikowsky. Rhythmisch kompliziert, ist die musikalische Diktion jedoch klar und überwiegend tonal. «Als ich das Stück als Student zum ersten Mal hörte, war ich enttäuscht. Ich fand, es klang so alt», erinnert sich Metzmacher. Inzwischen mag er «The Rake's Progress» sehr. «Das ist eine der wichtigsten Opern des 20. Jahrhunderts, die mit einem Augenzwinkern komponiert wurde», meint der 43-jährige Generalmusikdirektor, der seit vier Jahren an der Hamburgischen Staatsoper bemüht ist, ein Repertoire des 20. Jahrhunderts aufzubauen.
«Strawinsky hat sich sozusagen an einem traditionellen Modell orientiert und dieses mit seinem eigenen Stil versehen, so als ob man ein altes Bild mit neuen Schichten übermalt», sagt Metzmacher. Der Dirigent will versuchen, die Schärfe der Artikulation und des Rhythmus' herauszuarbeiten. Auf Wunsch des Regisseurs, der nach 1981 zum zweiten Mal an der Hamburger Oper inszeniert, hat er ein Bühnenbild akzeptiert, das durch eine Passerelle den Platz im Orchestergraben erheblich einschränkt.
Flimm ist vor allem angetan von dem Libretto des Dichters Auden. «Ich wollte diese Oper inszenieren, weil sie musikalisch unglaublich schlau gemacht ist und das Libretto zu den wunderbarsten Texten der Operngeschichte gehört. Außerdem hat dieses Werk die ewig alte, schöne Theatergeschichte mit dem Teufel und der alten Seele sowie dem kleinen Mädchen, das hinter einem nichtsnützigen Mann herläuft.» Flimm hat gemeinsam mit Helnwein, der auch die witzigen, farcenhaft übersteigerten Kostüme entworfen hat, am Bühnenbild gefeilt. «Die kleine Bühne macht die Figuren sehr stark. Und passend zu dem plakativen Stück hat Helnwein großformatig Videos und Dias mit Großstadtszenen und verzerrten Gesichtern in den Raum projiziert.»
Diese Video-Scheinwelt sei so etwas wie der in Szene gesetzte innere Monolog des Titelhelden. «Rakewell hat ja Hirngespinste und baut sich in seiner Scheinwelt merkwürdige Luftschlösser, bevor er im Irrenhaus endet», meint Flimm, der noch vor der Hamburger Generalprobe die Proben zu seiner « Ring»-Inszenierung in Bayreuth wieder aufgenommen hat.
 
 




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