Interviews
4. Oktober 2015
Sven Michaelsen (Interview) Fotos: Ingo Pertramer
Süddeutsche Zeitung: Interview mit Gottfried Helnwein
Als Kind zerschnitt sich der Wiener Maler Gottfried Helnwein die Hände mit Rasierklingen. Durch Donald Duck entdeckte er die Kunst. Heute sind seine Horrorvisionen längst Kunstgeschichte. Ein Gespräch über die Abgründe eines ungewöhnlichen Lebens.
Wegschauen geht nicht: In Helnweins bekanntem Werk Epiphany I umringen Nazi-Offiziere Aria und ihren Sohn Adolf.
2013
In Wien wurden Sie gerade mit einer großen Retrospektive geehrt. Am Eingang der Albertina hieß es auf einer Warntafel: »Wir empfehlen den Besuch auf Grund von expliziten Gewaltdarstellungen im Werk des Künstlers erst ab einem Alter von 16 Jahren.«

Es spricht für die Kunst, wenn man sie für gefährlich hält. Wenn man aber bedenkt, mit wie viel Gewalt und Horror Kinder und Jugendliche täglich durch die Massenmedien konfrontiert werden, ist es seltsam, dass man denkt, sie ausgerechnet vor der Kunst im Museum schützen zu müssen. Ich war gerade im Prado und habe mir die Besucher vor den Gemälden von Hieronymus Bosch angeschaut. Auf den Bildern sieht man Menschen, die von Monstern zerstückelt, aufgespießt und gefressen werden. Aber keiner der Betrachter reagiert darauf bedrückt. Im Gegenteil, die Menschen fühlen sich inspiriert und emporgehoben. Viele haben ein Lächeln im Gesicht. Kunst transzendiert den Schrecken. Durch sie verliert der Tod seine Macht.
Kindermotive: Helnwein hat vier Kinder, erzog sie ohne Zwang. Sie durften, sagt er, sogar in seine Bilder hineinmalen.
2013




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