Österreich
10. Dezember 1992
NEWS
Foto-Extra
Hinter der Maske
Gottfried Helnwein fotografiert seit mehr als 10 Jahren die Größten der internationalen Szene. Ein neuer Bildband zeigt die faszinierenden Ergebnisse.
Das Buch ist wie sein Schöpfer: exzentrisch, teuer, international. Seit mehr als 10 Jahren befaßt sich der einstige "Schock-Maler" Gottfried Helnwein (44) mit der fotografischen Umsetzung prominenter Gesichter. Seine Arbeiten erregten weltweites Aufsehen, prangten auf den Covers von "Time" und "Rolling Stone". Der gebürtige Wiener, der seit Jahren teils auf seiner Burg nahe Köln, teils in Florida lebt, ist nicht zuletzt durch seine Fotos zur erstrangigen Adresse auf dem Kunstmarkt geworden.
Das Buch ist wie sein Schöpfer: exzentrisch, teuer, international. Seit mehr als 10 Jahren befaßt sich der einstige "Schock-Maler" Gottfried Helnwein (44) mit der fotografischen Umsetzung prominenter Gesichter. Seine Arbeiten erregten weltweites Aufsehen, prangten auf den Covers von "Time" und "Rolling Stone". Der gebürtige Wiener, der seit Jahren teils auf seiner Burg nahe Köln, teils in Florida lebt, ist nicht zuletzt durch seine Fotos zur erstrangigen Adresse auf dem Kunstmarkt geworden.
Jetzt sind die "Faces" als Bildband in der "Edition Stemmle" erschienen. Mit freundlicher Genehmigung Gottfried Helnweins und des Verlages zeigen wir die faszinierendsten Exponate. Für NEWS gibt Helnwein über sein Verhältnis zum Medium "Foto" Auskunft:
"Die Fotografie ist das Medium des 20. Jahrhunderts. Sie hat uns verändert und geprägt. Ihr Einfluß ist enorm, ihre Geschwindigkeit faszinierend. Nichts ist wie vorher, seit es sie gibt. Wir denken ja längst in Fotos. Ein Foto ist genauso subjektiv wie ein Ölbild. Jedes trägt die Handschrift seines Schöpfers. Ich schaffe auf meiner Nikon eigenständige Kunstwerke, denen ich gleichen Rang einräume wie meinen Gemälden. Für mich war es schon immer lächerlich, daß in der Kunst alles so eingeteilt und katalogisiert wird. Ich mische, kombiniere, fotografiere, male drüber. Es gibt keinen Maler, der mit so vielen Medien so perfekt arbeitet wie ich. Ich habe viel experimentiert, um meine Kleinbild-Fotos auf das Format ein mal ein Meter vergrößern zu können. Denn die Großbildkamera war mir beim Arbeiten immer ein Greuel.
In den mehr als 10 Jahren, in denen ich fotografiere, habe ich mich fast ausschließlich auf die Schwarz-weiß-Technik beschränkt, und das ist so spannend wie am ersten Tag. Die technischen Möglichkeiten sind völlig reduziert - du mußt dich ganz auf das Gesicht konzentrieren.
Oft entdeckt man erst auf dem fertigen Bild, wie grausam nahe man dem Modell gekommen ist. Wieder und wieder ist es mir so ergangen. Zum Beispiel bei Andy Warhol, den ich zwei Tage lang in seiner "Factory" fotografiert habe. Die Fotos, die ich von ihm gesehen hatte, waren für mich enttäuschend gewesen - technisch perfekt, aber nichts als Posen. Sein ganzes Leben war ja Spiel und Verstellung. Sogar sein Tagebuch ist ein Kunstprodukt. Auf meinen Fotos aber spielt er nicht. Man sieht darin schon etwas von seinem Sterben.
Oder Keith Richards. Ich habe ihn 1990 in Berlin fotografiert, und meine Fotos sind wahrscheinlich die besten, die es von ihm gibt: die Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Er hat an diesem Gesicht lange gearbeitet.
Oder die gespenstische Begegnung mit Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker. Ich hörte, daß er noch am Leben sei, und wollte ihn unbedingt treffen, um ihn nach dem "Warum" zu fragen. Er hat bis zu seinem Tod kaum mehr jemanden an sich herangelassen, aber ich durfte Fotos von ihm machen, und in seinem Gesicht spiegelt sich seine ganze Tragödie.
Es wurde eines meiner schönsten Porträts, denn es zeigt die Wahrheit hinter der Maske."




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