Österreich
10. November 2003
Kurier, Wien
Kultur
apa
Kinder als Spiegel der Geschichte
Los Angeles - Der österreichische Multimedia-Künstler Gottfried Helnwein präsentierte anlässlich des 65. Jahrestages der von den Nazis "Reichskristallnacht" genannten Novemberpogrome im "Simon Wiesenthal Center Museum of Tolerance" in Los Angeles eine Ausstellung, in der auf das historische Leiden und den unmenschlichen Hass hingewiesen werden soll. Präsentiert wurde auch sein neues Buch "Ninth November Night". Ein Dokumentarfilm zeigte die langjährige Auseinandersetzung des Malers mit dem Thema Faschismus.
Ninth November Night
Installation, 1988, 400 x 6000 cm / 157 x 2362'', between Ludwig Museum and Cologne Cathedral, Cologne, each panel 370 x 250 cm, 146 x 98"
Kindergesichter als Spiegel
In gesellschaftlicher Hinsicht betrachtet es der Maler als seine Aufgabe, "etwas zu finden, das einen Unterschied macht und die Gesellschaft aufwühlt", erklärte Helnwein in der anschließenden Diskussion. "Als Künstler stelle ich selbst die Regeln auf. In meinen Bildern geht es immer um Kinder und um die Vergangenheit in meinem Land." Österreich hat sich nach Meinung von Helnwein erst durch die Causa Waldheim und durch die internationalen Schlagzeilen rund um Jörg Haider mit der Schuldfrage befasst und die Vergangenheit neu beleuchtet.
Kinder wären nach Ansicht Helnweins die eigentlichen Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt. "Ich habe nie Opfer des Holocaust gemalt, da ich ihr erlebtes Leid nie ausnutzen und zur Schau stellen wollte. Mir geht es darum, Kinder von heute zu porträtieren und darauf hinzuweisen, dass jemand sagen könnte: Du hast die falsche Nase oder falsche Augenfarbe." In den Gesichtern von Kindern spiegelte sich auch die Geschichte eines Landes wider. "Ich habe Kinder in Deutschland fotografiert, sie werden stets einen ernsten Gesichtsausdruck haben, während Kinder in Irland immer lachen werden".
Erste Holocaust-Ausstellung 1988
Die erste Ausstellung zum Thema Holocaust hatte Gottfried Helnwein 1988 in Köln. Damals erinnerte er in einer hundert Meter langen Installation zwischen dem Kölner Dom und dem Ludwig Museum mit überdimensionalen Bildern von Kindern an die "Reichskristallnacht".
Im Anschluss an die gestrige Präsentation wurden Kerzen zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome vor dem Mahnmal des Simon Wiesenthalzentrums angezündet. Der 55-jährige österreichische Künstler lebt und arbeitet seit einem Jahr in Los Angeles sowie in Irland. Weitere geplante Stationen der Installation sind New York und Israel.
Artikel vom 10.11.2003 |apa |rf




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