Österreich
27. November 2005
Kronenzeitung
Wien
Günther Nenning
Poesie der Bilder
Kunst ist kein Pferdehandel
Günther nenning über Gottfried Helnwein
Der grosse Kunsthistoriker Peter Gorsen nennt Helnwein einen "vermaledeiten Moralisten", in der Tat findet der Maler für sich eine paradoxe Formulierung:"Ich hätte lieber einen Gott der wie Donald Duck aussieht, als einen der wie Adolf Hitler aussieht."
Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Kunst und Pferdehandel. Wenn man ein Pferd kauft, darf es keinen einzigen Fehler haben. Aber wenn ein Kunstwerk auch nur in einem einzigen Punkt gut ist - ist es ein gutes Kunstwerk. (Kandinsky).
So der Österreichische Maler (1948 Wien) Gottfried Helnwein zu seinem Biographen Andreas Maeckler.
In der Tat ist es ein solcher Punkt, in dem einst wild umstrittenen Helnwein hohe internationale Berühtheit schaffte: seine schwer verdauliche Vorliebe für gewalttätig verstümmelte, bandagierte Menschen.
Eine Zeit lang wohnte Gottfried Helnwein nebenan von mir im selben Haus in Wien. Im nachbarlichen Gespräch fragte ich nach der Gewalttatigkeit seiner Bilder. So zitiert ihn sein Biograph:
"Ich sehe, dass Menschen auf diesem Planeten schwer missbraucht und misshandelt werden, zutiefst verletzt und unfrei sind, und dassdies übertüncht wird mit einer Positiv-Propaganda. Lange bevor ich zu malen begonnen habe, hatte ich den Eindruck, dass es den menschen schlecht geht, dass niemand ohne Qual lebt... und dass es eine Sehnsucht gibt, sich darüber zu erheben. besonders meine frühen Bilder zeigen dies. ich wollte es hinmalen und den anderen vors Gesicht halten, um zu sehen, was passiert."
Wie jeder waschechte Moralist ist Helnwein auch mit dem lieben Gott nicht einverstanden, er wirft ihm die Kreuzzüge vor, Ketzerverbrennungen, den Holocaust usw.
Der grosse Kunsthistoriker Peter Gorsen nennt Helnwein einen "vermaledeiten Moralisten", in der Tat findet der Maler für sich eine paradoxe Formulierung:"Ich hätte lieber einen Gott der wie Donald Duck aussieht, als einen der wie Adolf Hitler aussieht."
Zur Übertreibung gehört auch die von Helnwein in Mode gebrachte "fotorealistische" Malweise: Es ist alles so genau wie fotografiert.
Andererseits ist Helnwein kein Extremist. Er habe den Eindruck, bei meinen Bildern ist eine ironie dabei".
In seinen heutigen Jahren ist Helnwein längst nicht mehr der Monomane, der "alles einbandagiert". Er lebt in Ireland und Amerika. Seine Kunst ist tiefer geworden, geistiger.
Leserservice:
Der Film "Helnwein", 1984 (regie Peter Hajek) erhielt den Adolf Grimme-, den Eduard Rhein-Preis und den Goldenen Kader der Stadt Wien. Er arbeitet mit den unterschiedlichsten Techniken und Stilmitteln, - neben der Zeichnung, Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei und verschiedenen Misch-Techniken ist, seit den 80er Jahren, vor allem die Fotografie sein wichtigstes Medium, -oft in Verbindung mit Performance-Arbeiten. Seit den 90er Jahren konzentriert er sich mehr und mehr auf digitale Fotografie und grossformatige Installationen im öffentlichen Raum, meistens mit einem sozialen oder gesellschaftspolitischen Anliegen.
In the studio
2004




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