Österreich
1. März 2006
Linz Aktiv
178/2006
Kutur
Gottfried Helnwein: Face it
Im grossen Ausstelungssaal des Lentos Museums wird bis 5. Juni 2006 eine umfassende Werkschau von Gottfried Helnwein präsentiert. Das Lentos organisiert damit die erste museale Schau des Künstlers in Österreich seit er sein Geburtsland – Helnwein ist 1948 in Wien geboren – Mitte der 80er Jahre verlassen hat.
Nach Jahren in Deutschland ist Helnwein heute in Los Angeles und in Irland ansässig. In Österreich ist Helnwein nach wie vor als “Provokateur” und “Schockkünstler” im Bewusstsein, als er sich vor allem durch seine Titelbilder und Illustrationen für das Nachrichtenmagazin Profil vor einem Virteljahrhundert etabliert hat. Der Name Helnwein stand für hyperrealistische Darstellungen verletzter und verunstalteter Menschen, oft Kinder, so wie Bildzitate aus der Populärkultur, vornehmlich aus der Welt des Carl Barks (“Donald Duck”).
Angesichts der substanziellen Weiterentwicklung seines Werks, verbunden mit neuen Bildfindungen und dem Einsatz neuer Medien (digitale Fotografie, Video) gilt es, dieses Oeuvre heute umfassend zu betrachten. Dies erscheint nicht zuletzt auch im Kontext eines Booms neuer figurativer Malerei und angesichts des weitgehend durchgesetzten Bezugs auf Medienbilder sowie auf Populärkultur in der jungen Malerei interessant. Mit einem aktualisierten Blick auf Helnweins Bildsujet und seine Produktionsweise ist ein Künstler zu entdecken, der sich in erster Linie moralischen, emanzipatorischen Motiven verpflichtet fühlt und dessen Platz innerhalb der so genannten “politischen” Kunst in vollem Umfang erst anzuerkennen ist. Geblieben ist die Lust an Maskierungen und Rollenspielen, die in den grotesken Portträt des Musikers und Performers Marilyn Manson zur Meisterschaft kommt. Die Ausstellung im Lentos versammelt vierzig Werke aus allen Schaffensperioden seit den frühen 1970er Jahren. Sie ist gleichzeitig Retrospektive und Themenschau: Die Auswahl verfolgt das Sujetdes menschlichen Gesichts als Leitmotiv durch das Gesamtwerk. Malerei und Zeichnung sind dabei ebenso vertreten wie – zum Teil malerisch bearbeitete – digitale Fotografie.




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