Die Vorstellung eines leidenden Gottes - die Passion Christi - war den Griechen und Römern fremd: und dennoch sollte das Leiden und Sterben des Gottessohnes weit über den Kreis von Millionen Christen hinaus eine mythologische Wucht entwickeln, die diese Erzählung so aktuell und brisant erscheinen lässt wie vor 2000 Jahren.
In die abstrakte Sprache von Musik transformiert, berichtet die „Passion“ von Gerd Hermann Ortler von Grausamkeit, Gewalt und unendlichem Leid. Die trotz aller kammermusikalischen Sensibilität gewaltige Musik des großen Komponisten ist inspiriert und gesättigt vom tiefen Schmerz der Gemälde Gottfried Helnweins. Ortler lässt den Klang dieser albtraumhaften, somnabulen Bildwelt ertönen: Die Passion - das Kainsmal des schuldigen Menschen - wird zum erschütternden Hörerlebnis.
Klaus Albrecht Schröder